VON DER BEWEGUNG INS PARLAMENT


Grünes Fachgespräch

 

Tierversuche - Was verhindert den Paradigmenwechsel?

 

Mit dem Fraktionsfachgespräch am Mittwoch, den 5. Juli 2017, konnte ich den ersten Grundstein für einen konstruktiven und zielorientierten Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik legen. Während des Gesprächs wurde deutlich, dass wir gemeinsam mehr Anstrengungen unternehmen müssen, um die Alternativen zum Tierversuch zu fördern.

 

Neben mir haben an dem Fachgespräch noch folgende Gäste teil-genommen:

  • Christina Söhner (Sprecherin AG Tierschutzpolitik, Grüne Berlin)
  • Dr. Eva Katharina Kühner (Ärzte gegen Tierversuche)
  • Prof. Dr. Ulrich Dirnagl (Charité Universitätsmedizin Berlin)
  • Dr. Siegfried Throm (via-Verband forschender Arzneimittelhersteller) 
  • Claus Kronaus (Ärzte gegen Tierversuche)

Wie Tierversuche durch human basierte Forschung abgelöst werden können, stellte Frau Dr. Kühner zu Beginn vor. Dabei machte sie mehr als deutlich, dass sie schnellstmöglich Tierversuche auf Null reduzieren möchte und dass dies auch machbar sei. Sie zeigte detailliert die Gründe für ein Scheitern der Tierversuche auf. So kommen beispielsweise 95% der an Tieren getesteten Medikamente (Stoffe) nicht durch die klinische Prüfung. Bei den restlichen 5% treten weitere Probleme auf, da Mensch und Tier unterschiedliche Reaktionen auf Medikamente (Stoffe) aufweisen. Hinzu kommt die künstliche Symptomenzeugung, bei der die Wirkung der Medikamente verfälscht wird. Ferner spielt Stress durch die Laborsituation eine entscheidende Rolle. Laut Frau Dr. Kühner sind Übereinstimmungen der Medikamentenwirkung bei Mensch und Tier reiner Zufall. 

 

Die human basierte Forschung bietet eine Reihe von Möglichkeiten die Tierversuche durch Alternativen/Ersatzmethoden abzulösen. Dazu zählen: Zellkulturen (in vitro, 3D Zellkulturen), Computersimulationen, human-on-a-chip, "Mini-Brains" ivm. Frau Dr. Kühner fordert eine stärkere finanzielle Unterstützung tierversuchsfreier Forschung und das gesetzliche Verbot von Tierversuchen. Tierversuche sind ihrer Meinung nach ethisch nicht vertretbar, kosten viel Geld und sind nicht effizient. Die Niederlande sind ein gutes Vorbild, denn dort will man/frau bis 2025 die Tierversuche abschaffen. Herr Kronaus bekräftigt die Aussagen von Frau Dr. Kühner. 

 

Prof. Dr. Dirnagl von der Charité Berlin aus dem Bereich der Euro-Wissenschaft stellte zunächst Thesen auf.

  1. Substantielles Wissen über die Funktionsweise von Krankheit und Gesundheit des Menschen, wissen wir aus Tierversuchen.
  2. Vor rund 20 bis 30 Jahren war an der Anspruch an Fallzahlen und Qualität der Tierexperimente viel geringer. Es gab große Effekte, in dem Wirkstoffe wie Antibiotika gefunden wurden. Die Effektgrößen sind heute geringer. Durch die immer größere Komplexität von Zusammenhängen/biologischen Erkenntnissen müsste die Qualität in den Versuchen zunehmen, tut sie aber nicht.
  3. Alternativmethoden sollten Tierversuche in bestimmten Bereichen ersetzen. Aufgrund komplexer, biologischer Sachverhalte/Abläufe ist der reduktionistische Ansatz, wie in vitro, problematisch. Erste Erfolge zur Darstellung der Komplexität in vitro gibt es. Sie sind aber von der Berücksichtigung relevanter Faktoren weit entfernt.
  4. Die Forschung für Ersatzmethoden muss hoffähig gemacht werden.

 

Ein Hindernis der Ersatzmethoden ist die Validierung. Ersatzmethoden/Alternativmethoden müssen hohe Qualitätsstandards erfüllen. Prof. Dr. Dirnagl führt an, dass in Studien bis zu 90% der Kulturen verseucht seien. Um effektivere Alternativmethoden zu entwickeln, sagt auch er, müsste deutlich mehr Fördergeld investiert werden. Ein gesetzliches Verbot der Tierversuche hält er für einen Fehler. Seiner Meinung nach, könnte dies zu einem großen Schaden für Patient*innen führen. Nichtsdestotrotz wünscht er sich einen Kulturwandel. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Wissenschaft den Wandel aufgrund mangelnder Fördergelder nur mühsam umsetzen/einleiten kann.

 

Dr. Throm, Geschäftsführer Forschung, Entwicklung und Innovation im via, bestätigt aus Sicht der Pharmaindustrie, dass Tierversuche zeitintensiv und zu teuer sind. Er unterstreicht, dass auch Tierexperimentator*innen nur ungern Versuche durchführen, bei denen die Tiere schwer und unnötig belastet werden. Er gibt ferner zu, dass die Erfolgsquote bei Tierversuchen eher niedrig sei. Besonders bei komplexen Erkrankungen wie Alzheimer. Dennoch müssen bei Medikamenten "faule Äpfel" aussortiert und die Wirkstoffe und Nebenwirkungen verstanden werden.

 

Tierversuche sind für Dr. Throm notwendig. Jedoch schreibt er den Ersatzmethoden auch eine gewisse Wichtigkeit zu. Das 3R-Prinzip wird durch den vfa bereits unterstützt. Da Alternativmethoden international noch nicht genügend Anerkennungen haben, wird der vfa auch weiterhin Tiere in Versuchen und Tests verbrauchen. Würde ein gesetzliches Verbot in Kraft treten, müssten sie sich diesem zwangsläufig beugen. Sollte es jedoch zu einer Abgabe je Versuchstier kommen, würden sie die Kosten auf den Medikamentenpreis aufschlagen. Somit wären dann Verbraucher*innen/Patient*innen stärker zur Kasse gebeten. 

 

Abschließend fasste ich das Gesagte zusammen und sprach über mögliche Wege aus Grüner Sicht. Meiner Meinung nach müssen wir die Alternativmethoden sowohl finanziell, als auch politisch und individuell viel stärker fördern. Wir müssen Verantwortung für die Tiere übernehmen! JedeR Wissenschaftler*in, jedeR Patient*in, jedeR Verbraucher*in. Eingeschlossen sind natürlich auch die Politiker*innen. Berlin will den Tierschutz stärker. Berlin will Forschungshauptstadt der Alternativmethoden werden. Berlin will Tierversuche reduzieren. Berlin will die Kontrollen von Tierversuchen verbessern.

 

Ich werde dafür kämpfen, Entwicklungen beobachten und dazu lernen. Gerade die Entwicklungen in den Niederlanden sind spannend und wer weiß - möglicherweise dienen sie auch als Blaupause...

 

Eine starke Stimme für Tierschutz

Jetzt ist es amtlich. Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik Frau Diana Plange wird Berlins erste hauptamtliche Tierschutzbeauftragte! Am 12. Juni tritt sie ihren neuen Job an. Sie ist sachlich, absolut kompetent und bestens vernetzt. Ich freue mich auf die konstruktive Zusammenarbeit.

Mit Frau Plange macht die rot-rot-grüne Regierung einen ersten wichtigen Schritt, um den Tierschutz in Berlin zu stärken. Berlins Tiere erhalten eine Stimme, die sich für ihr Wohlergehen  auf Landesebene einsetzt. Und dies ist auch leider bitter nötig.

Ende April war ich mit vielen aktiven Tierschützer*innen bei der Protest-Aktion „Freiheit STATT Zirkuszelt“ vor dem Circus Voyage. Im Laufe der vierwöchigen Gastspielzeit waren unsere Augen auf den Zirkus gerichtet. Und dann ging Ende Mai ein Aufschrei durch die Presse. Polizist und Amtstierarzt bei Kontrolle im Circus gebissen! Kontrollen konnten wohl nicht ausreichend durchgeführt werden, obwohl tierschutzrechtliche Verstöße und Mängel aufgezeigt werden konnten. Ein Unding! Schon bei der öffentlichen Fütterung am 27. April 2017 fiel auf, dass einige Pferde vor Schwäche kaum auf die Beine kamen, die Lamas und Kamele hungrig waren und ein Elefant nur rückwärts im Kreis lief.

Auf diese schlechte PR reagierte der Circus Voyage natürlich prompt und trampelnd wie ein bockiges Kind. Die Anschuldigungen seien bei den Haaren herbeigezogen, der Amtstierarzt sei voreingenommen gewesen (engagierte Tierärzte scheinen die beim Zirkus ja nicht gern zu sehen) und überhaupt – besagter Hund sei gar nicht ihrer gewesen.

Im Namen der Tier kann man/frau dazu nur sagen: Circus Voyage bleib doch einfach wo der Pfeffer wächst! In Berlin wollen wir dich nicht mehr sehen.

Freiheit STATT Zirkuszelt

Protestaktion vor dem Circus Voyage in Berlin am Freitag, den 28. April 2017

Meine 100-Tage-Bilanz

Aufbruch für eine andere Energie- und Tierschutzpolitik in Berlin 


Der Koalitionsvertrag ist voll mit tollen Ideen und Konzepten, die mich täglich zur Umsetzung motivieren. Doch eins habe ich sofort gelernt – Politik arbeitet tatsächlich nicht so schnell, wie ich es mir manchmal wünsche. Seit Jahren setze ich mich in der Energie- und Klimabewegung ein und was haben wir nicht schon oft geschimpft über die langsamen, politischen Mühlen. Nun bin ich auch Teil der Mühle, aber dennoch ein Zahnrad, welches schneller agieren will!

Und so blicke ich zurück auf die ersten 100-Tage rot-rot-grüne Regierung (R2G) in Berlin – auf meine ersten 100 Tage als Abgeordneter. Und tatsächlich lassen sich die ersten wichtigen Erfolge benennen.

Als Mitinitiator des Berliner Energietisches war es mir eine besondere Freude die Entfesselung der Berliner Stadtwerke zu besiegeln. Ausgestattet mit Geld und den passenden Aufgaben, um die Energiewende in Berlin voranzubringen, starten die Berliner Stadtwerke nun endlich durch – mit über drei Jahren Verspätung. Ein kraftvoller Akteur auf den ich sehr stolz bin. Kurzum – von der Bewegung in die Politik.

Mit dem Bündnis Kohleausstieg Berlin setze ich mich seit der Menschenkette 2014 in der Lausitz für einen schnellstmöglichen, dennoch sozial-verträglichen und geordneten Kohleausstieg hier in Berlin ein. R2G macht es nun auch politisch möglich. 2017 endet die Braunkohlezeit in Berlin und mit der Steinkohle soll (aller)spätestens 2030 Schluss sein. Ob ich mich jetzt zurücklehne? Auf keinen Fall – jetzt geht es erst richtig los! Den Kohleausstieg wollen wir rechtsverbindlich eintüten und uns nicht nur auf die Zusagen von Vattenfall verlassen. Mit dem Kohleausstieg müssen wir auch die Wärmewende in Berlin einleiten, das Fernwärmenetz regulieren und vieles mehr. Dazu gehört auch bis zum Ausstieg auf die Transparenz bei Steinkohle-Importen zu drängen. Berlin braucht keine Kohle auf Kosten von Mensch und Umwelt!

Auch im Bereich Tierschutz lässt sich ein erster, großartiger Erfolg benennen – die Position des/der Landestierschutzbeauftragten wurde ausgeschrieben. Dies ist ein wichtiger Schritt, um den Tierschutz in Berlin zu stärken und zu professionalisieren. Damit einher geht auch die Besetzung des Tierschutzbeirates mit wichtigen, tierschutzpolitischen Berliner Akteuren. Dieses neue Gremium soll neben dem Tierschutzforum wichtige Impulse im Berliner Tierschutz setzen. Aber damit endet die Liste noch lange nicht. Hinter verschlossenen Türen laufen juristische Prüfungen zu den Themen Pferdekutschenverbot und Katzenschutzverordnung. Auch Zirkusse, die Wildtiere mit sich führen, werden es schwer haben in Berlin. Denn ich will, dass Tiere artgerecht in unserer wundervollen Hauptstadt leben können!

In 100 Tagen habe ich fast 100 Termine wahrgenommen. Von spannenden Podiumsdiskussionen über Neujahrsempfänge bis zu einem ersten Händeschütteln – es war vieles dabei. Ich bin und bleibe auch weiterhin Ansprechpartner für die Bewegung. Egal ob Igel, Katz und Maus oder PV, Windrad und Kraftwerk. Ich habe ein Ohr für euch und eure Belange.

Aus der Bewegung kommend, bin ich der größte Fan von Aktiven, die für ein Thema mit all ihrer Kraft kämpfen. Aber bitte habt Verständnis, wenn es mal nicht schneller geht. Ich bin auch nur ein Politiker ;)


TIERSCHUTZ

Tierschutz ist mir ein Herzensthema. Aus diesem Grund setze ich mich persönlich und als tierschutzpolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus für starken Tierschutz in Berlin ein.

Im Koalitionsvertrag sind wichtige Punkte festgehalten, für die ich in den kommenden Jahren kämpfen werden. Aber natürlich müssen wir auch viele andere Tierschutzaspekte im Auge behalten.

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LEBENSWERTES LICHTENBERG

Lichtenberg begeistert immer mehr Menschen. Lachende Kinder auf den Spielplätzen, buntes Treiben in den Parks – Lichtenberg ist ein Ort der Begegnungen. Viele entscheiden sich deshalb hierher zu ziehen. Sie wollen Teil dieser Gemeinschaft sein und das Wohnen und Leben genießen.

Doch wie wird sich das Gesicht meines Kiezes in Zukunft verändern?

Wir Grüne haben auf diese Frage Antworten und möchten Sie mit unseren Ideen überzeugen. 

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NEUE ENERGIE FÜR BERLIN

Berlin ist noch immer Schlusslicht in Sachen Klimaschutz und Energie­wende. Getrieben vom Volksentscheid des Berliner Energie-tisches musste der Berliner Senat zwar handeln - doch eine echte Energiewende sieht anders aus!

Wir Grüne wissen wie es geht und da müssen wir als erstes ran: Stadtwerke, Stromnetz und Kohleausstieg

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